Textproben aus: Unter Wasser stirbt man schneller



Das passiert --- und noch viel mehr


Hinterhalt Röhrenhai Tyranno Occupy-Siedlung
Hinterhalt Röhrenhai Tyranno Occupy-Siedlung
    Vor uns hell der Ausgang der Schlucht. Ein heftiger Ruck. Ich bin darauf nicht vorbereitet und lande unsanft, äußerst unsanft, an der schrundigen Felswand. Drachengleich hat sich mein Tave aufgerichtet, mit einem schrillen Fauchen, wie eine Sturmbö durch ein Felsloch, schlägt er zu, einmal, zweimal. Dann stürmt er davon. Bis ich meine Sinne gesammelt habe, ist nichts mehr von ihm zu sehen.
    Ich muss ergründen, was ihn so erschreckt hat. Ganz sicher fühle ich mich nicht auf den Beinen, und die Maretta habe ich auch verloren. Draußen eine Bewegung. In meinem Augenwinkel taucht ein Mensch auf. Er hält einen Strahler auf mich gerichtet.
    Während ich noch überlege, ob ich mich zur rechten oder linken Seite werfen soll, hängt an seiner Stelle plötzlich eine weiße Säule aus Wasserdampf in der Luft, die sich schnell verflüchtigt. Dann prasseln einige schwarze Objekte wie Hagelkörner zu Boden. Da hat jemand einen Lewinskyschen Dematerialisationsinitiator benutzt. So heißt das Gerät offiziell, aber das Leben ist zu kurz für so lange Wörter. Wir sagen einfach Demat. Lewinsky hat es, wie so viele große Erfinder es tun, in seiner Garage gebastelt. Dann hat er damit den fast perfekten Mord an seiner Frau begangen, die, sagt man, mit dieser Behandlung noch viel zu gut weggekommen ist. Ein übereifriger Polizist ist ihm letztendlich doch auf die Spur gekommen, und Lewinsky wurde nach einem in aller Stille verhandelten Prozess zu lebenslänglich auf Bewährung verurteilt. Die Bedingung war, dass er den Apparat vervollkommnete, wofür er ein Labor und beliebig viele Mitarbeiter bekam. Der Demat ist nur für Gesetzeshüter verfügbar. Wie haben die Anderen ihn in die Hände bekommen?
    Krampfhaft trachte ich nach meiner Maretta, da ruft von irgendwo eine Frauenstimme:
    "Hallo, Cody! Sind Sie das?"
    Die wissen meinen Namen. Das ist schlimm. Oder ist es jemand, der ihn wissen sollte? Einen Versuch ist es wert:     "Mein Name ist La Baguette, James La Baguette".
    Prompt kommt die Antwort:
    "Baguette mag ich am liebsten mit Trüffelpastete".
    Sie kennt den Code. Ich probiere noch den zweiten Teil:
    "Die ist mir leider ausgegangen. Kann ich mit Kaviar dienen?"
    "Nein, dann lieber ohne alles. -- Also, jetzt kommen Sie herüber, Cody, und befreien Sie mich!"

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   Der Imperator hebt die Hand, ein Fanfarensignal ertönt, torpedogleich schießt der Röhrenhai in die Arena. Die Tänzerinnen haben sich ängstlich an den Rand zurückgezogen. Von oben, gleich einem antiken Gott, schwebt ein Mann herab. Es ist Ares, der beste Gladiator der Galaxis.
   Mit dem rechten Arm schwingt er träge ein Netz, in der linken Hand hält er einen Dreizack. Er nähert sich dem höchst gereizten Röhrenhai, sehr darauf bedacht, nicht vor dessen Ansaugöffnung zu geraten. Er pikt die Röhre in die Seite, versperrt ihr mit dem Netz den Weg und zwingt sie in einem hoch stilisierten Duell an die Scheibe zum Zuschaueraum.
   Der Gladiator und der Röhrenhai: Der Mensch bewegt sich geschmeidig, provoziert den Gegner mit seinem Netz. Der Hai schießt auf ihn zu, Ares weicht im allerletzten Moment zur Seite stößt mit seinem Dreizack zu. Selten dringt er durch die geriffelte Hülle, aber als es doch einmal geschieht, verfällt der Hai in volle Raserei. Er lässt den Gladiator links liegen. Nur einen Lidschlag später, ehe die Tänzerinnen reagieren können, hat der schwarze Schlund die eine verschlungen. ...
   Ares' Kräfte drohen zu erlahmen. Mit letzter Energie treibt er den Dreizack in den wasserspeienden Rachen. Er hat gesiegt.
   Von der Galerie ergießt sich ein Wirbel aus Freudengeschrei und Flüchen. Der Jubel ist stärker, die meisten haben auf Ares gewettet.
   Die dunkle Röhre formt sich zu einer Korkenzieher-Spirale und stößt die Tänzerin aus. Leblos schwebt sie nach oben, mit matten Armschlägen folgt ihr der Gladiator, vielleicht hofft er, sie noch zu retten. Sein Publikum ignoriert er, hören kann er es ohnehin nicht. In einer neuen Konvulsion speit der sterbende Hai die gesamte Flotte der Giftdrachen aus. Diese gebärden sich äußerst lebendig, gereizt. Sie greifen die Menschen an, die gerade die Oberfläche erreicht haben. Der Körper des Mädchens reagiert nicht, doch der von Ares zuckt wie unter Stromstößen, erstarrt und zuckt erneut, wieder und wieder. Schließlich treibt auch er schlaff inmitten der tollwütigen Meute.



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   Auf einem der Blöcke vor uns bemerke ich eine hellgefleckte Bewegung. Achtung! schreie ich. Agus hat den Gleiter schon herumgerissen, doch es reicht nicht mehr ganz. Hoch aufgerichtet steht der Tyranno, ein Koloss von zwei Manneshöhen, das vordere Armpaar mit beilscharfen Klauen in Angriffshaltung. Tonnenschwer wirft er sich auf uns. Die Hülle des Gleiters zerbirst – nein, sie knistert nur und hält stand. Noch. Die Klauen hacken, auf uns ein, er versucht wieder und wieder, unsere Schale durch sein pures Gewicht zu knacken. Die Turbine, die unter dem Gleiter das Luftkissen erzeugt, ist sicherlich nur noch ein flaches Stück Blech. In unserem Dach zeigt sich ein kleiner Sprung. Nichts Dramatisches, aber eine Warnung.
   Eine Unendlichkeit dauert das Toben. Noch nie hat ein Mensch einen Tyranno so lange und so intensiv aus der Nähe betrachten können. Sechs Gliedmaßen besitzt er, wie fast alle animalischen Lebensformen auf Kepler. Anders als beim eleganten Tave sind sie für rohe Kraft gebaut, nicht für Schnelligkeit. Der Korpus ist der eines schwerfälligen, unförmigen Reptils, flachgedrückt, braun und hell gefleckt, als müsse er sich vor Feinden tarnen. Wäre er klug wie der Tave, wir hätten keine Chance. Auch so sind unsere Aussichten nicht rosig. Selbst wenn er irgendwann aufgibt, bleibt uns nur der Marsch zurück zum Transmagneto.
   Wir beobachten den Riss in unserer Kuppel, der sich nach jeder Attacke verlängert, und warten, dass es Abend wird. Mit der Sonne sinkt auch die Temperatur. Der Tyranno sucht sich einen sandigen Fleck, wo noch etwas Wärme gespeichert ist, und lässt sich zur Nachtruhe nieder. Nach kurzer Zeit liegt er bewegungslos wie ein versteinerter Saurier. Sollen wir versuchen, unsere Sachen packen und einfach losziehen?
    Nein, meint Agus. Wir hätten längst ankommen müssen. Man wird nach uns suchen, und Menschen zu Fuß sind viel schwerer zu finden als der Gleiter.



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   Lesermeinungen

   Muss ich haben/verschenken
    "Es gibt fast pausenlos Demonstrationen auf dem Platz," berichtet van der Fehn. "Das Zeltdorf wird täglich größer und chaotischer".
    Da hat sie Klump ein Stichwort geliefert. Der Slum! Chaotisch! Damit krieg' ich ihn! Mira, Verbindung zu Kyril Tan. Persönlich.
    Der Großemir erteilt Audienz. "Klump, mein Lieber, Ihnen ist wieder bange wegen der Demonstranten. Sorgen Sie sich nicht, ich garantiere Ihre Sicherheit, lieber Klump".
    "Danke, verehrter Großemir. Ich habe jedoch ein anderes Anliegen. Übermorgen beginnt die Konferenz des Intragalaktischen Rates. Um die Sicherheit der Regenten zu gewährleisten, muss bis morgen Mittag der Platz der Union geräumt sein".
    "Kommt das nicht etwas plötzlich? Die Leutchen tun nichts Schlimmeres als Plakate mit dummen Sprüchen in die Höhe zu halten".
    Die Stimme des Würdenträgers klingt wie eine Mischung aus Orgohonig und konzentrierter Essigsäure. Klump ist nicht nach Honig zumute.
    "Unter Ihren Augen wurde das Weiße Haus gestürmt, und Ihre Volksdiener waren hilflos. Als hätten absichtlich weggesehen".
    Der Großemir errötet – nicht vor Scham. Beide Fäuste zerren an seiner bunten Schärpe, als wollte er sie sich von der Brust reißen. Es dauert die entscheidenden Augenblicke zu lange, bis er die Sprache wiederfindet.
    "Mein lieber Klump, das ist eine unerhörte, diffamierende Unterstellung. Ich werde bei Ihrem Rektor Superior eine formelle Beschwerde einreichen".
    "Ach was! Großemir Kyril Tan, im Namen des Rektor Superior der Intragalaktischen Kommission ersuche ich Sie, den Platz der Intragalaktischen Union bis zum morgigen Mittag räumen zu lassen. Das bezieht sich auf die vor den Gebäuden lungernden Personen und vor allem auf das nicht genehmigte provisorische Camp und dessen Okkupanten. Es besteht die Gefahr von gezielten Attentaten, und durch das verwahrloste Zeltdorf besteht zudem akute Seuchengefahr. Betrachten Sie dies, verehrter Großemir, als offizielles Ansuchen. Falls ich bis heute 18 Uhr keine Anstalten zu einer Säuberungsaktion feststelle, werden ich meine Sicherheitskräfte auf den Plan rufen".
    Des Großemirs Gesichtsfarbe hat sich um drei Töne verdunkelt, seine Stimmlage um drei Töne erhöht.
    "Dieses Gespräch wird Folgen haben, Klump, dafür werde ich sorgen".
    "Zweifellos, allerwertester - äh - Großemir. Ich danke für die Audienz und erwarte entschlossenes Handeln".
    Die Verbindung ist beendet. Klump blickt in die Runde, zufrieden, wenn ein Mensch seines Schlages überhaupt zufrieden blicken kann.

 

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